Als mein Sohn diesen Artikel schrieb, war ich sehr erstaunt. Denn die Gedanken eines so jungen Menschen über die Thematik Zeit finde ich enorm. Im Feng Shui bewerten wir Experten die Zeit immer mit. Schließlich unterliegt das Haus auch Kriterien und wird sozusagen „älter“. Lass Dich überraschen, was noch alles hinter der Wahrnehmung der Zeit steckt.

Eine etwas andere Betrachtung

 geschrieben von meinem Sohn Shady Coll Exposito.

„Die Zeit fliegt“, ein allgegenwärtiges Sprichwort. Damit wird beschrieben, wie schnell doch die Zeit vergeht und ein Ereignis von einem gezogen ist. Es ist die Zeit, die einem in einigen Momenten davonfliegt und in anderen wie angehalten scheint.

Sie kann auch ein Ereignis verlängern oder verkürzen. Objektiv betrachtet, sind die kleinsten Abstände von der einen Sekunde bis zur nächsten definiert. Jedoch sind es die subjektiven Wahrnehmungen eines jeden Menschen, die Erlebnisse unterschiedlich vergehen lassen. Demnach liegt es auch im Auge jedes einzelnen Betrachters, dass ein anderer Eindruck entsteht.

Ist der Mensch somit selbst in der Lage, seine Wahrnehmungen zu einem gewissen Grad zu steuern?

Könnten wir damit einem schnell vergänglichen Leben entkommen? Oder sind wir doch nur an die Geschehnisse unserer Umgebung gebunden?

Um zu einem besseren Verständnis der Antworten zu gelangen, muss erst einmal eine grundlegende Frage geklärt werden.

Wann nehmen wir Zeit wie wahr?

Zu einem ähnlichen Thema äußerte sich einst der renommierte Wissenschaftler Albert Einstein.

Er sagte: “Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. […]“1

Glauben wir Einstein, dann sind es die erfreulichen Momente, die wir als schnell vergänglich erachten. Die weniger erfreulichen sind auf der anderen Seite die, die uns manchmal ewig vorkommen.

Ordnet man diese Augenblicke in eine Skala, könnte man ein Spektrum bilden, inwiefern der Mensch in bestimmten Zeiträumen die Zeit wie betrachtet. Nehmen wir beispielsweise ein Geschehen. Je erfreulicher dieses ist und je eher wir auf dessen Momente fokussiert sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Mensch seine Umgebung vergisst. Damit geht auch sein Zeitgefühl verloren.

Sei es ein nettes Gespräch, eine Achterbahnfahrt oder das Betrachten des Sternenhimmels mit dem Liebsten. Es sind solche Augenblicke, die für einen kurzen Moment unendlich erscheinen. Jedoch trotz dessen schnell vorüber sind.

Im Gegensatz dazu stehen die weniger erfreulichen Geschehnisse.

Diese werden oft mit einem sehnlichen Wunsch der schneller vergehenden Zeit in Verbindung gebracht. Beispiele dafür sind das Warten beim Arzt oder das im Unterricht mit beiden Augen auf die langsamen Zeiger der Uhr starren. Aber auch das in einer unangenehmen Situation festgehalten werden, zählt dazu. Es sind solche Augenblicke, die uns langwierig und qualvoll erscheinen. Auch sind es diese Momente, denen wir einen Großteil unserer Gedanken der Zeit widmen.

Dabei fokussieren wir nicht nur unsere Gedanken auf die Zeit.

Wir binden uns auch mit körperlichen Gesten an die langen und schweren Sekunden.

Das Klopfen mit dem Fuß auf den Boden. Der ständige Blick auf die Armbanduhr und das Aneinander reiben der Fingerspitzen sind selten bewusste, aber oft unbewusste rhythmische Bewegungen. Sie vermitteln uns ein näheres Gefühl zu der Zeit und so nehmen wir sie länger wahr.

Der Mensch selbst sehnt sich nach einem glücklichen Leben voller erfreulicher Momente.

Sind es aber nicht die erfreulichen Momente, die unsere Angst vor der „wahren Sekunde“ vertuschen? Können wir nur durch das Erleben von unerfreulichen Geschehnissen unser Leben als lang wahrnehmen und einem schnell vergänglichen Leben entkommen? Wie erklärt sich dann das Phänomen: In jungen Jahren empfindet der Mensch die Zeit als langsam verstreichend, während sie im Alter als schnell vergänglich wahrgenommen wird?

Es sind die Augenblicke und Situationen, die das Zeitgefühl rauben oder die Zeit wie verlangsamt wirken lassen. Oft sind es aber die schnell verstreichenden Momente, die mit erheiternden Erinnerungen gefüllt sind. Das sind diese, in denen wir Freude und Einzigartiges erleben. Und wenn wir sagen „wie schnell doch die Zeit vergeht“, passiert das meistens rückblickend auf ein Erlebnis.

Die Erinnerungen beanspruchen also einen wichtigen Teil der Zeitwahrnehmung.

Marc Wittmann vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg sagt, „[…] dass das Gedächtnis die Zeitwahrnehmung maßgeblich bestimmt.“2

Das Gehirn ist ein wichtiger Faktor unserer Wahrnehmung.

Ein Abstecher in die Psychologie des Gehirns zeigt einfach ausgedrückt, dass unser Gehirn entscheidet, inwiefern eine Information wichtig oder unwichtig ist. Dann wird entschieden, wie diese Information unser Kurzzeitgedächtnis verlässt. Entweder wird sie als relevant angesehen und in das Langzeitgedächtnis übertragen oder gelöscht.

Es sind also die besonderen und merkwürdigen Momente, die wir in unserem Gedächtnis behalten. Die bedeutungslosen Momente und hundertmal wiederholten Taten sind es andererseits, die wir schnell wieder vergessen.

So ist es auch gar nicht erstaunlich, dass wir vergessen, ob wir die Tür abgeschlossen oder den Herd ausgemacht haben. Anders ist es aber, wenn wir ein fremdes Land besuchen. Oder zum ersten Mal mit Schlittschuhen fahren. An solche Augenblicke erinnern wir uns noch lange Zeit.

In der Zeitwahrnehmung spielt das Gedächtnis eine wichtige Rolle.

Insbesondere wenn es um die rückwirkende Betrachtung von Erlebnissen geht. Erleben wir also oft Neues im Leben und lernen wir häufig fremde Dinge kennen, dann bleiben meistens diese Momente im Gedächtnis hängen. Rückblickend auf unser Leben betrachtet fühlen wir also, dass wir mehr erlebt haben. Andererseits wenn wir wenig Neues erleben oder Fremdes erlernen und unseren Alltag fast immer gleich wahrnehmen, haben wir rückblickend weniger erlebt.

Dies lässt sich auch auf die zuvor gebrachte Frage beziehungsweise das Phänomen anwenden. Inwiefern nimmt der Mensch also mit steigendem Alter die Zeit schneller wahr?

Im Stress ihres Alltages erleben und bewältigen junge Menschen mehr. Erst im höheren Alter zeigt die Ruhe der aufkommenden Monotonie weniger Neu gesehenes. Somit speichert unser Gedächtnis weniger neue Momente ab. Dementsprechend ist eine Zeitspanne für junge Menschen rückblickend länger als für ältere Menschen. Also je mehr Neues und Emotionales erlebt wird, desto eher wirkt ein zurückliegender Zeitraum länger. Das bedeutet, der Mensch kann die gefühlte vergangene Zeit abbremsen, indem er selbst mehr „erste Male“ erlebt.

Die Wahrnehmung unserer Zeit ist ein Paradoxon in sich selbst.

Den erlebten schönen Augenblick nehmen wir als schnell vergänglich war. Viele dieser schnell vergänglichen Momente scheinen für eine kurze Weile unendlich. Obwohl sie uns schnell wieder verlassen, so erinnern wir uns rückblickend an ein langes und erlebnisreiches Leben. Doch erst wenn der Mensch entscheidet seinen Wunschvorstellungen zu folgen und in Taten umzusetzen, kann er ein erfülltes Leben leben, welches er auch als lang wahrnehmen wird.

Zeit ist in der Regel eine in immer gleichen Abständen vergängliche Dimension mit klar definierten Abständen.

Die Zerteilung der Stunde in sechzig Minuten und der Tag mit seinen vierundzwanzig Stunden sind alles mehr oder weniger von Menschenhand bestimmte Natur basierende Paradigmen.

Nur weil die Zeit in bestimmten Abständen als schneller oder langsamer empfunden wird, ist es trotzdem unmöglich sein Leben länger oder kürzer zu leben. Ein lang wahrgenommenes Leben ist ein erlebnisreiches Leben, während das schnelle Ende im Trott des Alltags gefunden werden kann. Also rückblickend zu dem anfangs genannten Sprichwort, bleibt nur eine einzige Frage übrig:

Ist es die Zeit, die fliegt, oder ist es der Mensch, der stehenbleibt?

1 http://www.zitate-online.de/sprueche/wissenschaftler/689/wenn-man-zwei-stunden-lang-mit-einem-maedchen.html

2 http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/zeit-wahrnehmung-verlangsamung

Shady Coll Exposito

 

Wie geht es Dir mit der Zeitwahrnehmung? 

Ich freue mich auf Deine Meinung.

Deine Petra Coll Exposito

 

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